Chronik der Familie Simon (6)

aus dem Jahr 1927 von Wilhelm Simon

 

Doch jetzt verlangte der Lehrer erneut, ich sollte schreiben: "Ich bin ein Lügner!". Ich erzählte dem Lehrer, daß mein Vater mir verboten hatte, dies zu tun. Der Lehrer versuchte, mich dazu zu zwingen, aber ohne Erfolg. In seiner Wut warf er mich aus der Schule hinaus. Das war nicht recht. Als ich nach Hause kam, sagte mein Vater nur: "Gut, du kannst zuhause bleiben." Es ist eine sehr schwierige Sache, Kinder aus der Schule herauszuhalten, aber meinem Vater war das egal. Der Schulinspektor kam zu uns nach Hause und erzählte meinem Vater, daß der Lehrer den Satz ändern wolle in: "Alle Menschen sind Lügner" und daß alle Jungen den Satz schreiben sollten. Mein Vater sagte: "Nein, nicht mein Sohn." Der Bürgermeister der Gemeinde versuchte, meinen Vater umzustimmen. Mein Vater sagte: "Nein, nicht ich habe meinen Sohn aus der Schule genommen, der Lehrer hat ihn rausgeworfen." Jetzt wurde die ganze Angelegenheit Regierungssache, und mein Vater bekam sein Recht. Der Lehrer mußte versprechen, nichts gegen mich zu unternehmen, und nach 6 Wochen Zwangsferien ging ich wieder zur Schule. Es ist meine Pflicht zu sagen, daß das Verhältnis zwischen mir und dem Lehrer während der folgenden 4

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Schuljahre stets gut gewesen ist.

Dieses Verhalten meines Vaters beeindruckte mich so tief, daß ich mich bis auf den heutigen Tag genau an den Brief erinnere, den er schrieb. Dann befahl mir mein Vater, den Brief mit zur Schule zu nehmen und um keinen Preis den Satz zu schreiben, den der Lehrer von mir forderte. Der Lehrer nahm den Brief entgegen, ging zu meiner Schwester und fragte sie, ob mein Vater den Brief geschrieben

habe. "Ja!" sagte meine Schwester.

Einer der Jungen hinter mir in der Klasse redete während der Schulstunde, und der Lehrer* fragte mich, wer es gewesen sei. Ich antwortete: "Ich weiß es nicht.", und das war die Wahrheit. Der Lehrer glaubte mir aber nicht. Und zur Strafe sollte ich 10mal schreiben: "Ich bin ein Lügner". Ich erzählte meinem Vater davon, und er schrieb in seiner klaren, charakteristischen Schrift einen Brief an den Lehrer: "Werter Herr Lehrer! Ich bedaure, daß Sie so gemein und kindisch sind. Wenn jemand ein Lügner ist, mag er es aufschreiben. Aber nicht mein Sohn!

Mein Vater war von hitzigem Temperament, v.a. wenn er seine Kinder bestrafte.. Aber das ist verständlich, weil er 9 Kinder in Zaum halten mußte. Niemals vergesse ich eine Begebenheit, die ich während meiner Schulzeit erlebte.

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 Kaspar Heinrich Simon".

AlteSchule.1837.305
Harscheider Schule, erbaut 1837
Rechts:
Alte Dorfschule, erbaut 1837

(Heimatbildarchiv, Oberbergischer Kreis).
Damals war wahrscheinlich die Schule das einzige Haus mit Ziegeldach; alle anderen waren wohl strohgedeckt.
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Kaspar Heinrich Simon

geboren 13. Mai 1818 in Hoff
gestorben  11. Februar 1884 in Harscheid

Elisabeth Dax

geboren 28. Oktober 1814 in Harscheid
gestorben  17. Februar 1885 in Harscheid
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Bild und Text aus:
Karl Schmitz, Chronik von Harscheid, Harscheid 1999
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Bild und Text aus: Karl Schmitz, Chronik von Harscheid, Harscheid 1999

Chronik der Familie Simon (6)

aus dem Jahr 1927 von Wilhelm Simon