Kurt M. jun.

der offizielle Alleinerbe?
 

Kurt Müller sen.

offizieller Alleinerbe! Die wollten die Erbschaftssteuer sparen für jeden. Jedenfalls haben sie's dann so gemacht.. Und der Erfolg war, dass der Baas später sagte:  "Das gehört alles mir."

 
Herta Müller

Ja, und deine Mutter erzählte, das ist beim Notar überschrieben worden regelrecht. Da ist ihnen aber gesagt worden, darüber dürfte überhaupt nicht gesprochen werden, es dürften auch keinerlei schriftliche Unterlagen dasein, dass das nur eine pro-forma-Angelegenheit wäre. Und die anderen waren alle so gestellt, dass sie das Geld nicht brauchten, dass sie das sowieso irgendwo liegen hatten.
 
Und deine Mutter und auch Tante Lene sagten, der Baas, der hat dann kurz drauf eine Reise gemacht und hat dann von dort aus eine Karte geschrieben, und auf der Karte stand, ja, also ich kann's wörtlich jetzt nicht mehr sagen, aber... . "Ich werde das Erbe..."  oder "...Euer Erbe treu verwalten". In dem Sinne etwas. Also diese Karte, das wussten sie alle, dass die gekommen war. Aber keiner wusste, wo sie geblieben war. Das wäre der einzige Beleg später gewesen, als der Baas tot war, um zu sagen: "Hier, der hat ja nur das Geld verwaltet.." Obwohl sie ja möglicherweise auch bestraft worden wären, es war ja doch Steuerhinterziehung.
 

Kurt M. jun.

Er hieß doch Heinrich. Wie kam er zu dem Namen "Baas" ?
 

Kurt Müller sen.

Weil er der Älteste war und weil er so ein pastorales Benehmen hatte, der verstand es, so sehr gesalbt zu sprechen, also, er hatte irgendwie sehr viel Autorität....  Der war ja Lehrer geworden, Lehrer an der Baugewerbeschule, hier, in Lage.
 

Kurt M. jun.

Ach, der lebte gar nicht mehr in Elberfeld?
 

Kurt Müller sen.


Zeitweise lebte der da, also ich weiß nicht, wie lange der da Lehrer war. Aber jedenfalls hat er's nicht nötig gehabt, er hatte ja genug Häuser, wo er denn Geld rauszog. Und da hat er auch praktisch von gelebt. Und er hatte ja genug Vermögen an der Hand, um davon zu leben. Und die Auseinandersetzung geschah eigentlich schon sehr bald, sehr bald merkte man, dass der die Finger da drauf gelegt hatte.
 

Herta Müller

Ja, und der verkaufte dann ein Haus nach dem andern, das war dann ja gar nicht mehr so auszumachen, woher sein Geld kam. Und dann hat er das Geld auch so als ..., wie sagt man, Kurt, wie nennt man diese Leute, die Geld verleihen...
 

Kurt Müller sen.

na ja, so'n Halsabschneider
 

Herta Müller

als Makler! als Makler doch auch fungiert. Und hat Geld verliehen zu weit überhöhten Zinsen, immer arme Leute, die in Druck waren...
 

Kurt Müller sen.

Und dann war er nachher Schiedsmann geworden, das lag ihm auch sehr, so als halber Richter da zu sitzen und über Streitigkeiten zu entscheiden.
Er kam sich dabei sehr edel vor, sehr, sehr edel vor.

Heinrich Müller jr.,
gen. "Der Baas"

svn88n8a.jpg

Kurt Müller sen.


Der Baas ließ sich also seinen Anteil am Erbe auszahlen. Und dann wanderte er aus! Nach Brasilien. Und nun heißt es, so ist gesagt worden, er wär mit demselben Schiff, mit dem er gekommen, also abgefahren wär, wieder zurückgekommen. Ohne Geld! Das hätte man ihm im Hafen von Rio de Janeiro alles abgenommen. Und da hatte er wahrscheinlich nur noch die Rückfahrkarte gehabt. Und so ist er zurückgekommen.
 
Nun, was anfangen mit dem Baas? Na, die Geschwister, die haben sich zusammengesetzt und wollten nun nicht, dass da
was Großes passierte, und haben denn gesagt, wir müssen dass so machen, der Baas ist der Alleinerbe oder irgendwie
der Verwalter, irgendwie, der bevollmächtigte Verwalter, die hatten errechnet, dass sie damit steuerlich am besten..

Seilerstr.1911.b.mod
Seilerstr.1911.a.mod
Haeuser.MuellerHeinrJr.1911.mod

Oben (in der Liste der Hauseigen-tümer unter "Müller"), rechts und unten (Straßeneinträge):
(Besitz-)Stand der Dinge im Jahr 1911, wie er sich anhand der Einwohnerbücher von Elberfeld präsentiert.

Auch wenn nicht klar ist, ob zu diesem Zeitpunkt (1911) noch Einvernehmen zwischen den Geschwistern herrschte oder schon Zwist, wird doch deutlich, dass die Strategie von Heinrich Müller jr. komplizierter, evtl. auch raffinierter war, als es Kurt bewusst war, der ja damals noch ein Kind war. Während nämlich die 15 Häuser in der Seilerstraße (3, 5, 11, 13 ,15, 16, 17, 22, 24, 30, 32, 32a, 34, 34a) alle noch als Gemeinschaftseigentum galten ("Müller, Hrch. Erb."), hatte er bereits - vermutlich mit Umschichtungen oder/und Hypothekenbelastungen des Kapitals der Geschwister - in großem Stil eigenes , privates Hauseigentum geschaffen in Gestalt von 9 über die Stadt verteilten Häusern.

Kurt Müller

(sr.)

UnterschriftGruen.jpg
geboren am 8. August 1904 in Elberfeld
gestorben am 23. Dezember 1982 in Gütersloh
Portraet2.jpg

Gespräch aus dem Jahr 1982

 
FamgeschKlein
 
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Das Erbe: die Geschichte vom Baas (2)