Heinrich Müller

geboren am 5. März 1838  in Harscheid
gestorben am 13. April 1900  in Elberfeld
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       Heinrich Müller
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Jetzt, an der Wende zum neuen, zum 20.Jahrhundert, wusste Heinrich Müller also bis auf Lene und Otto alle seine Kinder auf sicherem Weg in ein selbständiges Leben. Er selbst war einer der wohlhabendsten und angesehensten Männer von Elberfeld. Es ging ihm gut, er war gesund und schaffenskräftig wie eh und je. Da erkrankte er im April des Jahres 1900 an einer Grippe. Nach kurzer Krankheit starb Heinrich Müller am Karfreitag (13.4.) des Jahres 1900.

Der einst große Zusammenhalt in der Familie Müller überdauerte den Tod Heinrich Müllers nur kurze Zeit. Es ging nun um die

Verteilung des enormen Erbes

. "Der Baas", wie der älteste Bruder Heinrich wegen seiner Ausstrahlung von Autorität und seines pastoralen Tonfalls in der Familie genannt wurde, hatte sich schnell sein gesamtes Erbe auszahlen lassen und sich zusammen mit seinem großen Vermögen - ob in barer Münze oder anderer Form, ist unbekannt - nach Brasilien eingeschifft. Er wollte auswandern. Doch daraus wurde nichts, vielmehr kam er postwendend noch mit demselben Schiff gleich wieder zurück, allerdings mit einer feinen Differenz: sein Vermögen blieb in Brasilien. Man hatte es ihm unter mysteriösen Umständen gleich im Hafen von Rio de Janeiro abgenommen. Jetzt war er ein Sozialfall, oder jedenfalls wurde er von seinen fürsorglichen Geschwistern als solcher behandelt. Man war sich einig, man musste etwas für ihn tun. Da traf es sich, dass man gerade eine steuerlich günstige Lösung für die "Unterbringung" des riesigen Erbes suchte.

Mit dem Beginn des neuen, des 20. Jahrhunderts, lebte also als einzige Tochter die jüngste,

Lene

, 1883 geboren, noch im Haushalt. Sie heiratete später den hochtalentierten Konditor Hugo Noot und baute mit ihm aus kleinen Anfängen eines der größten und schönsten Elberfelder Caf'és auf. Während er sich ganz seiner backkünstlerischen Aufgabe in Küche und Backstube widmete oder, später immer häufiger, auf Reisen ging, nahm sie die Aufgabe der eigentlichen Chefin wahr, mit großer Souveränität und einem distinguierten, fast majestätischen Auftreten.

Außer Lene lebte Anfang 1900 wohl nur noch der jüngste Sohn

Otto

(sein Geburtsdatum ist nicht genau bekannt) im Elternhaus. Wann Bruder

Paul

, der Malermeister, heiratete und auszog, ist unbekannt. Er lebte quasi auf der Schattenseite, wurde ignoriert und links liegen gelassen, nicht zuletzt, weil seine Frau zum Gegenstand allgemeiner Missachtung geworden war. In  den Augen der Familie war sie ein  völliger "Missgriff"...

Es schien ja auch kein Grund dazu zu bestehen: von einer Reise, zu der Heinrich anschließend aufgebrochen war, erreichte seine Geschwister eine Ansichtskarte, auf deren Rückseite Heinrich junior ihnen zusicherte (dieser Satz ist wörtlich überliefert): "Ich werde Euer Erbe treu verwalten." Aber schon bald wurde ruchbar, dass Worten und Taten weit auseinanderklafften. Der "Baas" schaltete und waltete, wie er wollte, verkaufte eigenmächtig einen Teil der Häuser, gab niemandem Einblick geschweige denn Rechenschaft und schuf sein eigenes Finanzunternehmen, dessen Vermögenswerte dem ursprünglichen Erbe überhaupt nicht mehr zuzuordnen waren. Und natürlich weigerte er sich, Auszahlungswünsche der eigentlichen Eigenümer zu erfüllen. Er war lediglich bereit, seinen Geschwistern das anzubieten, was er auch sonst mit "seinem" Geld tat: es zu Wucherzinsen zu verleihen.

Jetzt kam es zum Eklat: Heinrich junior, der Almosenempfänger, beharrte auf seiner formalen Rechtsposition und leugnete einfach jede anderslautende Abmachung. Große Panik brach aus, alle wussten ja, dass schriftliche Beweise mit Bedacht und Sorgfalt vernichtet worden waren. Da fiel irgendeinem ein, daß es ja doch noch einen - einzigen - kleinen "Beweis" gegeben hatte, die Postkarte!  An diesen Strohhalm klammerten sich nun alle. Aber wo war die Karte? Niemand wußte, wo sie geblieben war.

Lange Zeit hatte er verkündet, sein Erbe solle, als einziger jüngerer Nachkomme Heinrich Müller seniors in direkter männlicher Linie, dessen Enkel Kurt werden, der Sohn seines Bruders Emil. Kurt, der zum Baas  genau so wenig Kontakt hatte wie die meisten anderen Verwandten, hatte diese Ankündigung selbst jedoch nie für "bare Münze" genommen und sollte recht behalten. Als nämlich quasi Ernst gemacht wurde, indem Frieda Müller, Emils Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes im Laufe der 30er Jahre in finanzielle Bedrängnis gekommen war, sich wegen eines Darlehens an den "Baas" wandte, kam es zum Streit wegen dessen exorbitanter Zinsforderungen, schließlich sogar zum erneuten Eklat und zum völligen Zerwürfnis, nachdem Friedas empörter Schwiegersohn, der Psychiater Fritz Polstorff, sich kurz entschlossen der Sache angenommen und den Baas zur Rede gestellt hatte (und Kurt selbst daraufhin einen bitterbösen Brief aus den fernen USA, wo er sich gerade aufhielt, beigesteuert hatte). Kurt war enterbt, und der "Baas" verkündete allenthalben, bei wem Kurt sich in erster Linie zu bedanken habe: "Der Katholik ist schuld!" Fritz Polstorff wurde von der Verwandtschaft so genannt, weil er das einzige Familienmitglied katholischer Konfession war, und deshalb zählte er im pietistischen Wuppertal auch ohne besondere Anstrengungen zu den üblichen Verdächtigen.

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Für die Erwachsenen war er eben ein permanenter Stein des Anstoßes. Otto Müllers letzter und größter Faux Pas: mitten auf der Straße fiel er tot um, in Essen, mit nur 26 Jahren, ein Opfer der Syphilis, was in der Familie als beschämender Skandal totgeschwiegen wurde. Doch das war viel später.

Allen Geschwistern ging es nämlich wirtschaftlich gut, und so kam man gemeinsam zu dem Entschluss, dass das Erbe zu diesem Zeitpunkt nicht angetastet und v.a. nicht aufgeteilt werden solle. Vermutlich fiel bei unveränderter Fortführung der Firma in erheblich geringeremgeringerem Umfang Erbschaftssteuer an. Und da war es sehr praktisch, dass mit der Rückkehr des "Baas" jetzt als deus ex machina ein Firmenchef und Vermögensverwalter zur Verfügung stand, dessen eigene Versorgungsprobleme auf diese Weise ebenfalls "elegant" gelöst werden konnten.  Man einigte sich darauf, daß ihm die Firma und damit das gesamte Erbe nominell zufallen sollte. Unter der Hand bestand freilich Einigkeit, daß das Erbe zu einem späteren Zeitpunkt oder im Laufe der Zeit unter die Geschwister aufgeteilt werden sollte. Damit diese gesetzeswidrige Absprache aber  nicht ans Licht kam, achteten alle, nachdem sie dazu sogar vom Rechtsanwalt und Notar ermahnt worden waren, peinlich genau darauf, dass keinerlei schriftliche Beweise dafür erhalten blieben; alles Derartige wurde gründlich vernichtet. An der Vertrauenswürdigkeit von Heinrich junior, an der damit ja nun alles hing, hatte niemand Zweifel, zunächst auch dann noch nicht, als die offizielle Regelung rechtskräftig geworden war.

Hochzeitsbild von Fritzi Müller und ihrem Mann Fritz Polstorff,  vorn ihre jüngste Kusine Gisela Wolf als Blumenmädchen

Wenn Paul Müller das Stiefkind der Familie war, dann war Otto Müller ihr Enfant terrible. Zu schätzen wussten ihn die Kinder: Kurt Müller, geb.1904, der Sohn von Emil Müller, erinnerte sich später dankbar daran, wie Onkel Otto ihm, seinem kleinen Neffen, einst eine Trommel geschenkt hatte, mit der Kurt sich begeistert ersten künstlerischen Ausdruck verschaffte, und wie immer wieder, wenn die entnervten Eltern die Trommel heimlich verschwinden ließen, Otto frohen Mutes umgehend mit einer neuen Ersatztrommel aufgetaucht war.

In allen Häusern der Verwandtschaft setzte fieberhaftes Suchen ein, bis in die letzten Winkel wurde alles umgekrempelt und ausgeleert. Aber: die Karte blieb verschwunden. Es blieb nur die Erinnerung an den Satz: "Ich werde Euer Erbe treu verwalten." und das Stichwort für den Rechtsstreit: "Müller Erben".
 
Heinrich junior war nun der Schurke der Familie, aber auch sein persönliches Schicksal stand unter keinem guten Stern. Der größte Teil seines Geldes wurde durch die Inflation vernichtet, früh verlor er seine Frau. Wohin das restliche Erbe schließlich fiel, ist nicht vollständig bekannt, einzelnen Neffen, soweit sie sich nicht unbeliebt gemacht hatten, sollen noch Teile des Vermögens zugefallen sein. Der "Baas" selbst blieb kinderlos.

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FamgeschKlein

Kurt Müller sen. während der Überfahrt
nach den USA auf der "Bremen" (1930)

Heinrich Müller jr.,
gen. "Der Baas" (ca. 1890)

Lene Noot, geb. Müller

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Pauline Werres,
geb. Müller (ca. 1917)

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Heinrich Müller und seine Familie (7)