Chronik der Familie Simon (3)

aus dem Jahr 1927 von Wilhelm Simon

 

Mein Vater

(Caspar Heinrich Simon)

war ein Mann von mächtiger Gestalt und ungeheurer Kraft. Er war fleißig und sparsam. Wenn ich mit ihm zum Viehmarkt nach Waldbröl ging, trank er nie mehr als 1 Schnaps. Er leistete seinen Miltärdienst, als er 20 Jahre alt war und bereits verheiratet. Er war vom Hof "Zum Hoff" umgezogen in sein neues Domizil in Harscheid. Er hatte eine rauflustige Jugend, von der er gerne sprach. So erzählte er, daß er in seinen Streitigkeiten und Händeln nie eine andere Waffe gebrauchte als einen selbstgemachten Eichenstock. Die Gründe für jene Händel waren im allgemeinen Liebesaffären und damals so üblich. Einmal war mein Vater in einen Kampf zwischen ein paar jungen Burschen verwickelt. Die Situation wurde sehr schwierig, als der ganze Haufen auf dem Boden übereinanderlag, und mitten zwischen ihnen war ein Polizist. Einer der Burschen bekam den Daumen des Polizisten zwischen seine Zähne und biß ihn glatt ab. Mein Vater sollte der Delinquent gewesen sein (im Vertrauen erzählte er, daß er es wirklich getan hatte). Da es sich um einen Angriff auf einen Polizisten handelte, war das Gericht in Bonn zuständig, das etwa 50 km entfernt war. Mein Vater mußte etwa 8 Stunden gehen, um nach Bonn zu gelangen, weil es damals noch keine Eisenbahn gab. Mit ihm gingen auch die Zeugen, die gegen ihn aussagen sollten. Bevor er losging, hatte er alles aufgeschrieben, was er vor dem Richter zu sagen vorhatte. Während seines Fußmarsches lernte er alles auswendig, was er aufgeschrieben hatte, und sagte es immer wieder auf, mit lauter Stimme. Das Ergebnis war, daß die anderen, die mit ihm gingen und gegen ihn aussagen sollten, vor dem Richter genau dasselbe aussagten, was sie den ganzen Weg über gehört hatten. Und das Gericht sprach ihn frei.

Ich berichtete schon, daß sie aus einer alteingesessenen Bauernfamilie kam - Elisabeth geborene Dax - und daß ihr Vater sich mit Pferdehandel und -zucht beschäftigte, soweit ich mich erinnere. Meine Eltern heirateten, als mein Vater noch nicht 20 Jahre alt war und noch nicht seinen Militärdienst abgeleistet hatte. Die Kinder kamen ziemlich schnell nacheinander, und das bedeutet eine Menge Arbeit und Sorgen.

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Aus: Karl Schmitz, Chronik von Harscheid, Harscheid 1999
 
Herzlichster Dank gilt Herrn Manfred Söhn, Nümbrecht, der dieses wunderbare, äußerst lesenswerte, kenntnis- und inhaltsreiche Buch entdeckte und zur Verfügung stellte.

Nach der Revolution von 1848 gab es in Preußen für kurze Zeit ein allgemeines, gleiches und geheimes Wahlrecht für alle Männer über 24 Jahre. Mit der unverkennbaren Absicht, die Vorherrschaft der Wohlhabenden sicherzustellen, hob die preußische Regierung dieses Wahlrecht am 30. Mai 1849 wieder auf und führte gleichzeitig das bis 1918 gültige Dreiklassenwahlrecht ein. Nach diesem Wahlmodus wurde am 12. Dezember 1850 der 32jährige Ackerer

Caspar Heinrich Simon

aus Harscheid in die III. Klasse gewählt. Weil die Wege vom Südbezirk der Gemeinde nach Marienberghausen nur schwer begehbar und befahrbar waren, richtete man um 1860 in Harscheid ein Büro ein, das entweder von einem Beigeordneten oder einem Ratsmitglied geführt wurde und in dem der Bürgermeister an festgesetzten Terminen für die Bevölkerung zu sprechen war.

Meine Mutter war genau das Gegenteil meines Vaters. Sie war von kleiner Statur, von bescheidenem und zurückhaltendem Wesen, und ging im Stillen ihren mütterlichen Pflichten nach. Sie liebte ihre Kinder und tat alles, um sie aufzuziehen und ihnen einen gute Grundlage christlicher Erziehung zu geben.

 
 
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Kaspar Heinrich Simon

geboren 13. Mai 1818 in Hoff
gestorben  11. Februar 1884 in Harscheid

Elisabeth Dax

geboren 28. Oktober 1814 in Harscheid
gestorben  17. Februar 1885 in Harscheid
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