Ein paar Nachträge zur Chronik der Familie Simon


(zusammengestellt von Kurt Müller)

 
 
Die Originalfassung der von Wilhelm Simon verfaßten

Chronik

liegt mir leider nicht vor. Ich verfüge lediglich über eine um 1960 von meinem

Vater

ins Englische übersetzte Fassung, die ich ins Deutsche rückübersetzt habe. Diese Fassung wurde in den 1960er Jahren von meinem Vater

Kurt Müller senior

, einem Enkel von Amalie Simon, verh. Müller, angefertigt, der die Originalfassung damals wohl von Emmy Simon, der Tochter des Verfassers, erhalten hatte und sie dann übersetzte für Carl H. Simon, einen der amerikanischen Simons. Sein Großvater Ferdinand Simon nämlich, ein Bruder von Wilhelm Simon, in der "Chronik" ja auch erwähnt, wanderte nach 1877 in die USA aus. Von Auswanderern mit diesem Namen (Ferdinand Simon) enthält "Germans to America, 1875-1888" etliche Datensätze, allerdings nur einen, dessen Inhalt mit den vorhandenen Daten meines Urgroßonkels übereinstimmt:

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Diese Angaben entsprechen sowohl Ferdinand Simons Geburtsdatum (17.3.1851) als auch dem Wenigen, das wir über den Zeitraum seiner Auswanderung wissen. 1877 (30.9.) nämlich wurde seine Tochter Ida geboren, und zwar noch in Deutschland, und schon ungefähr 1886 war mein Großvater Emil Müller zu seinem Onkel

Ferdinand nach Amerika gereist.
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Diese Reise kam unter denkwürdigen Umständen zustande, die in der

Chronik der Familie Müller

, der Geschichte von Heinrich Müller und seinen Nachkommen, geschildert wird und, noch authentischer, auch von meinem Vater in einem

Gespräch aus dem Jahr 1982

erzählt wird.

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Mein Vater (Kurt Müller senior) verbrachte später selbst

ein Jahr in den USA

bei den dortigen Simons (1930 –1931). Auch für ihn gab es einen betrüblichen Anlaß zur Rückkehr nach Deutschland, der Gesundheitszustand seines Vaters hatte sich sehr verschlechtert; Emil Müller starb dann im Februar 1932.
 
 
 
 
Die vielen, z.T. sehr tiefen freundschaftlichen Beziehungen, die sich während seines Aufenthalts für meinen Vater entwickelten, sollten ihn sein ganzes Leben lang begleiten, obgleich er selbst erst 1969 wieder (und dann noch einmal 1976/77) dorthin reiste. Einzelne amerikanische Verwandte jedoch besuchten uns in den 1960er und 70er Jahren mehrfach, v.a. Carl H. Simon, der jüngere Sohn von Ferdinand ("Fred“) Simon d.J., teilweise mit seiner Familie.

Carl H. Simon war leitender Manager (Vice President) einer großen Williamsporter Firma (Darling Valve & Manufacturing Company), und es ergab sich sogar auch noch eine geschäftliche Beziehung mit der Firma Flaco in Isselhorst, für die mein Vater arbeitete. Carl H. Simon ist um 1990 gestorben, er hatte einen Sohn (Bob, kinderlos), eine Tochter (Ann Hager) und einen Enkel (Bradley Hager), sein Bruder Clyde eine Tochter und vier Söhne, die ihrerseits

heute wiederum erwachsene Söhne und wohl auch Töchter haben, die mir nicht alle bekannt sind, und seine Schwester, Louise Haag hatte zwei Töchter und drei Enkelinnen. Die Tochter Ferdinand Simons d.Ä., Ida, und ihr Mann Ol Smith hatten zwei Töchter; die ältere, Miriam, starb bereits in den 1950er Jahren; sie hinterließ einen Sohn (Billy Jim), der mit seiner Frau Bootsy vier Kinder hatte. Maxine Sweeley, die jüngere Tochter von Ida, hatte einen Sohn und eine Tochter

(Eileen Vanderbilt), mit der ich bis ca. 1970 noch regelmäßig korrespondierte. Sie machte eine Ballettausbildung in New York, und wir verloren uns später aus den Augen. Sonstige Details sind, soweit bekannt, dem Stammbaum ­der amerikanischen Simons zu entnehmen.


Carl H.Simon erzählte einige Anekdoten und Impressionen von seinem Großvater, zu dem er als kleiner Junge eine enge Beziehung hatte. Ferdinand sprach wohl nicht sehr gut englisch, er sprach auch in Amerika vorwiegend deutsch, in der Familie ohnehin, und auch darüber hinaus gab es wohl in Pennsylvania mit seinen vielen deutschen Einwanderern (wo ja auch das "Pennsylfanische“ entstand, die amerikanische Schwestersprache des Deutschen) genug Gelegenheit, deutsch zu sprechen, jedenfalls bis zum 1.Weltkrieg, dann wurde Deutsch als "Feindsprache" verdächtig und verpönt und starb als Umgangssprache bei der Mehrheit der deutschen Einwanderer in den USA quasi aus. Bis dahin jedoch, also bis zum Alter von 6 oder 7 Jahren, sprach auch Carl mit dem Großvater deutsch und erinnerte sich später immer noch gut an dessen markige deutsche Flüche wie z.B. "Gottverdammich“. Sein übriges vom Großvater gelerntes Deutsch hatte er allerdings wieder vergessen.
 
Eines der vielen Erlebnisse, die er mit dem Großvater hatte, hinterließ bei ihm einen besonders tiefen Eindruck. Als die beiden einmal zusammen in einer Gaststätte waren und der Großvater seine Bestellung schon aufgegeben hatte, fiel dem kleinen Carl nachträglich ein, daß er noch Durst hatte, und er bestellte selbständig beim Kellner ein Getränk, aber der Kellner ignorierte die Bestellung des Kleinen völlig, auch nach mehrfacher Wiederholung. Schließlich stellte der Großvater den Mann zur Rede, warum er die Bestellung nicht ausführe, der daraufhin mehr oder weniger herablassend so etwas äußerte wie: die Bestellungen kleiner Kinder zählten für ihn nicht. Jetzt packte den Großvater ein heiliger Zorn, ein Jähzorn, wie er der ganzen Familie Simon nachgesagt wird. Er nahm den Tisch, an dem sie saßen, mit allem, was draufstand, stemmte ihn hoch über seinen Kopf und schmetterte ihn dann mit aller Wucht auf den Boden der Gaststäte, wo er krachend zerbarst. Mit den Worten (sinngemäß): "Komm, wo Kinder nicht bedient werden, da haben wir nichts zu suchen“, nahm er dann seinen Enkel bei der Hand und verließ das Lokal. Für den kleinen Carl war dieses Erlebnis natürlich sehr aufregend, aber was ihn am tiefsten beeindruckte, war, zu erleben, wie sein Recht, das des kleinen Jungen, ernst genommen und vehement verteidigt wurde. So ähnlich wie ja auch Wilhelm Simon nie vergaß, mit welcher Entschlossenheit sein Vater Caspar Heinrich Simon ihn vor ungerechter Behandlung durch den Lehrer beschützte (siehe

“Chronik der Familie Simon

”). Und letzten Endes reagierte auch mein Großvater ähnlich, wenn es denn auch in seiner Geschichte ein Pferd war, für das er eintrat und in Zorn ausbrach gegen die Mißhandlungen durch den Kutscher .

©   Kurt Müller 2016
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Clyde Simons Kinder 1943:
Jimmy, Buddie, Boots, Juddie und Skippy (v.l.n.r.)
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­Carl H. Simon mit seiner Familie 1946
Kurt Müller sen. bei der Überfahrt nach den USA auf der "Bremen"
DeutscheImmigrationUSA1967KS

                       Name:

Simon, Ferdinand


­     ­                         ­

Age:­

29


                         

Gender:­

Male


    Occupation Code:­

Farmer


                   Country:­

Germany


      Last Residence:­

Unknown


    Final Destination:­

USA


Port of Embarkation:­

Bremen


     Ship's Name:­

Weser


        Date of Arrival:­

May 10, 1880

Zeitungsmeldung aus Australien. Umfang der deutschen Einwanderung
und Präsenz in den USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts