Heinrich Müller

UnterschriftCHMKlein
geboren am 5. März 1838  in Harscheid
gestorben am 13. April 1900  in Elberfeld
 
>> Zur nächsten Seite >>
 
<< eine Seite zurück <<
 
CHMPortrMini.gif
UK-Flagge.gif
UK-Flagge.gif
UK-Flagge.gif
US-Flagge.gif
Homepage in
English
 
frankreichPurGross.jpg
frankreichPurGross.jpg
arbre généalogique
en francais
FlaggeBelgienmittel.jpg
 
UK-Flagge.gif
FlaggeBRDklein.jpg
UK-Flagge.gif
FlaggeBRDklein.jpg
Homepage auf
Deutsch
 
©   Kurt Müller 2012
       Startseite
       Heinrich Müller
CHMPortrMini.gif
 
<< eine Seite zurück <<
 
>> Zur nächsten Seite >>
 

Am Ende waren es sieben Jahre, die er in Amerika verbrachte, eine Zeit, die sein späteres Leben bereicherte und prägte. Allerdings war es dieser Einschnitt wohl auch, der ihn hinderte, die Realschule abzuschließen (mit dem Einjährigen, wie die Mittlere Reife damals genannt wurde) und ihn deshalb zum vollen dreijährigen Militärdienst zwang, den er, durch und durch ziviler und in seiner politischen Einstellung sozialdemokratischer Rheinländer, gleich nach seiner Rückkehr aus der Freiheit und Ungebundenheit von 7 Jahren im republikanischen Amerika zähneknirschend antreten mußte. Er leistete ihn als sogenannter Gardepionier vorwiegend in Berlin ab, wo er, in eine prachtvolle Uniform gekleidet, am Eingang zum Kaiserschloß Wache stehen mußte. Auch viel später, wenn er von dieser Zeit erzählte, konnte er immer noch das Gefühl von Erniedrigung und Wut lebendig werden lassen, das ihn gepackt hatte, wenn er, ein gestandener Mann, vor den kaiserlichen Kindermädchen strammstehen und salutieren mußte, die die in Windeln gewickelten kleinen Babyprinzen auf ihren Armen die große Schloßtreppe heruntertrugen.

Abgesehen von der Amsel war Ella, das Pferd, das bei Heinrich Müllers Ausfahrten seine Kutsche zog (auch als es schon längst Automobile gab), ihm und der ganzen Familie am wichtigsten. Ella war aber auch an Ereignissen beteiligt, die dem Lebenslauf von Heinrich Müllers zweitältestem Sohn

Emil

, dem Urgroßvater von Robin und Katya Müller, eine bedeutsame Wende gaben. Als Emil etwa 16 Jahre alt war, übernahm er bereits wichtige Aufgaben in der väterlichen Firma (vielleicht als Lehrling, vielleicht auch neben der Schule). Da befand er sich eines Tages auf dem Weg von der Bank, wo er die gesamten Lohngelder der Firma erhalten hatte, zur Ziegelei, wo die Gelder an die Beschäftigten ausgezahlt werden sollten. Unterwegs traf er zufällig auf Heinrich Müllers Kutsche, mit dem Kutscher und Ella. Er sah schon von weitem, wie der Kutscher mit der Peitsche heftig auf das Tier einschlug, das sich offenbar weigerte, den Wagen weiterzuziehen; alarmiert stürmte er herbei, um den Mann von seinem Tun abzuhalten, mußte aber ohnmächtig miterleben, wie der völlig betrunkene Kutscher keinem Wort, keinem Appell mehr zugänglich war und mit unverminderter Heftigkeit auf Ella einschlug.

Von Emil hieß es, dieser im allgemeinen beherrschte und ruhige Mann habe von der mütterlichen Familie, den Simons, nicht nur die Statur, also enorme Körpergröße und -kraft, sondern auch die Neigung zum Jähzorn geerbt, der besonders dann entflammte, wenn er Ungerechtigkeit gegenüber Schwachen spürte (in der bereits erwähnten “ Chronik der Familie Simon ” werden schöne Beispiele für einen solchen “gerechten Zorn” des Caspar Henrich Simon geschildert, des Großvaters von Emil Müller). Selten allerdings dürften diese beiden Familienmerkmale, also Jähzorn in Kombination mit Kraft und Größe, so weitreichende Folgen gehabt haben wie dieses Mal.. Emils Ärger und Empörung über das Verhalten des Kutschers steigerten sich jetzt in hellichte, ungebremste Wut, er entriß dem Kutscher die Peitsche, drehte sie um und prügelte, außer sich vor Zorn, mit dem hölzernen Peitschengriff immer wieder auf den Kutscher ein. Dabei traf er ihn offenbar schließlich so unglücklich, daß der Kutscher wie ein gefällter Baum zu Boden ging und völlig regungslos liegenblieb. Alle Wiederbelebungsversuche blieben ohne Resultat. Emil hielt den Kutscher für tot; von panischer Angst gepackt, beherrschte ihn nur noch ein Gedanke: Flucht! Flucht dorthin, wo er sich erst einmal sicher vor Polizei und Justiz wähnte, sehr weit weg. Und er erfaßte, daß er die Mittel dazu bei sich trug, nämlich die enorme Geldsumme, die ihm anvertraut worden war. Aus dem Stand nahm der Sechzehnjährige, ohne noch einmal nach Hause zu gehen oder  auch nur irgendeine Art Kontakt mit der Familie aufzunehmen, den Weg zm Bahnhof und brach auf nach Bremen, um sich dort – im Zwischendeck, wie es hieß - nach Amerika einzuschiffen.Wie es ihm schließlich gelang, seinen Plan umzusetzen, ist im einzelnen nicht bekannt, aber: es gelang.

svpdopdp.jpg
Emil Müller als "Gardepionier" (ca. 1894)
Schlosswache2.jpg
SchlossKlein.jpg
SimonHausKlein.jpg
Haus der Familie Simon in Williamsport, Pennsylvania, USA
svo6oo72.jpg
Frieda Müller geb. Knapp
mit ihrer Tochter Fritzi (1901)

Emil Müller

erreichte Amerika, er kam an in Williamsport, Pennsylvania, bei seinem wenige Jahre vorher ausgewanderten Onkel Ferdinand Simon, einem Bruder seiner Mutter, und dessen Familie. Bald nach seiner Ankunft erfuhr er, daß der Kutscher keineswegs tot, sondern nur tief bewußtlos gewesen war, doch jetzt blieb er erst einmal in Amerika, mit dem Einverständnis der Eltern. Onkel und Tante war er willkommen, sie hatten ebenfalls ein Baugeschäft aufgemacht, in dem er mitarbeitete und eine Ausbildung erhielt.

Als er aus Amerika die Rückreise nach Deutschland antrat, stand die Heimkehr aber vor allem im Zeichen des Todes seiner Mutter.

Amalie Müller geb.Simon

, starb wahrscheinlich noch vor Emils Rückkehr - mit nur 48 Jahren, am 12. Mai 1892. Gegen Ende ihres Lebens war es wohl besonders der Gram über den Tod ihrer jüngsten Tochter, die mit 6 Jahren an Gelbsucht, wie man sagte, starb, der ihr, nach zwei Totgeburten, die sie in früheren Jahren bereits erlitten hatte, einen großen Teil ihrer Lebenskraft geraubt hatte. Sie soll grenzenlos getrauert haben, ihre Kinder erinnerten sich später, wie der Leichnam dieser jüngsten Schwester viele Tage lang im Mittelpunkt der Wohnung aufgebahrt war.
 
Von Amalie Müller heißt es, sie sei eine sehr schöne und auch sehr stattliche Frau gewesen. Ihre Körpergröße war ein Erbteil ihres Vaters

Caspar Henrich Simon

, und sie gab sie weiter an ihre Kinder. Von den Söhnen wissen wir, dass sie um die 1,90 m groß waren, ein für das 19. Jahrhundert enormes Maß . Noch nach dem Tod Amalies legten ihre hinterlassenen Kleider und Mäntel Zeugnis ab; Frieda Müller, geb. Knapp, die Frau ihres Sohnes Emil, erzählte später, die Kleidungsstücke, die bei ihrer Heirat im Jahr 1899 noch im Schrank ihrer Schwiegermutter hingen, seien so groß gewesen, dass sie, Frieda, "da zweimal reingepasst" hätte.
 
Viel mehr jedoch wissen wir nicht über Amalie Müllers Aussehen. Sie hat uns kein Bild von sich hinterlassen. In ihren letzten Lebensjahren hatte sie sehr zugenommen. Sie fand sich jetzt hässlich und wehrte sich mit äußerster Entschiedenheit, wenn sie fotografiert werden sollte. So soll niemals ein Foto von ihr aufgenommen worden sein, und tatsächlich ist bis heute keines aufgetaucht.

Familiengeschichte Müller - Humphreys

UK-Flagge.gif
UK-Flagge.gif
UK-Flagge.gif
US-Flagge.gif
This page in
English