Chronik der Familie Simon (5)

aus dem Jahr 1927 von Wilhelm Simon

 
Bild und Text aus:
Karl Schmitz, Chronik von Harscheid, Harscheid 1999

Viele Generationen von Harscheidern wohnten in fränkischen Bauernhäusern, die alle Räume für Mensch und Tier unter einem Dach vereinten. Den mit Roggenstroh gedeckten Fachwerkhäusern fehlte um 1800  noch die hübsche Fassdade aus weißgetünchten Flächen und schwarzen Balken. Durch die kleinen Fenster mit den in Bleistreifen gefassten "Rutten“ (Scheiben) drang nur wenig Tageslicht ins Haus; deshalb war auch bei der quergeteilten Haustür, die man "Chaarendüür“ (Gattertür)  nannte, die obere Hälfte meist geöffnet, während die untere Hälfte die frei im Hof laufenden Schweine aussperrte. Das häusliche Leben spielte sich vorwiegend auf dem geräumigen, etwa 5 mal 6 Meter großen Eren ab, dessen Boden aus festgestampftem Lehm bestand oder mit Steinplatten ausgelegt war. Im offenen Kamin, der Unmengen an Brennholz verschlang, wurde tagsüber ein Feuer in Gang gehalten, wobei der Rauch zunächst durch die "Deeße“ einen im "Ohlder“ (Speicher) endenden Rauchfang, und von dort durch ein dreieckiges "Euelsloch“ im Giebel abzog. Über der Feuerstelle war ein schwenkbarer, mit einem sägeähnlichen Blatt versehener "Hählhooch“ (Kesselhaken) angebracht, wo an einem in der Höhe verstellbaren Sperrhaken ein Kochkessel hing.

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Eren mit Feuerstelle und Schottelbank

Zwei Jahre nach dem Brand wurde ich geboren. Ich war im Gegensatz zu meinen Brüdern und Schwestern ein zartes Kind. Es war, als die erste Sämaschine und die erste Petroleumlampe in Harscheid eingeführt wurden. Davor hatten wir nur eine Blechlampe für Rapsöl. Das Petroleum wurde Steinöl genannt, und meine Mutter gehörte zu den ersten, die eine Petroleumlampe kauften. Es war sehr gemütlich, wenn unser großes Zimmer von dieser kleinen Lampe beleuchtet wurde und die Frauen an den Spinnrädern saßen und jemand unheimliche Geschichten von Geistern erzählte. Der Erfolg war, daß alle Kinder Angst vor der Dunkelheit hatten, und schließlich nur noch mein Vater sich allein nach draußen in die Dunkelheit traute. Aber wir sangen auch gemeinsam viele der alten Volkslieder, zum besonderen Entzücken meines Vaters.

Die Frauen spannen Leinen, Flachs, Hanf und Wolle. Meine Schwestern webten Leinen auf eigenen Webstühlen. Und die Wolle für die Strümpfe kam von den eigenen Schafen. Das jüngste Kind mußte immer die Schafe hüten, ich sagte schon, daß meine Eltern sehr sparsam waren. Mein Vater stellte das Schreibheft selbst her, das wir Kinder für die Schule brauchten. Während des Winters fingen wir Vögel mit Schlingen aus Pferdehaar, und im Sommer fingen wir die jungen Vögel und zogen sie auf.

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Kaspar Heinrich Simon

geboren 13. Mai 1818 in Hoff
gestorben  11. Februar 1884 in Harscheid

Elisabeth Dax

geboren 28. Oktober 1814 in Harscheid
gestorben  17. Februar 1885 in Harscheid
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