Heinrich Müller

geboren am 5. März 1838  in Harscheid
gestorben am 13. April 1900  in Elberfeld
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Zwei Jahrzehnte nach der Hochzeit von Anna und Arie und 10 Jahre nach dem Entstehen der Postkarte, in den Hungerjahren des 1.Weltkrieges, reiste man eher in die andere Richtung. Kurt (senior), Emils Sohn, erinnerte sich, wie er im Rübenjahr 1917 als 13jähriger zusammen mit seiner drei Jahre jüngeren Kusine Margret, der Tochter Arthur Müllers, in Erholungsferien zu den Bleyenbergs nach Culemborg geschickt wurde. Gleich beim Überschreiten der Grenze bekam er erst einmal ein dick mit Butter bestrichenes Brötchen gereicht, doch sein völlig entwöhnter Magen vertrug eine solche Menge Fett nicht mehr und reagierte mit heftigen Krämpfen.

Einmal angekommen, genoß er dann aber den Urlaub von Krieg und Hunger sehr, fand Freude am ausgiebigen Radfahren, freundete sich sehr mit den Kindern der Nachbarschaft an und war auch immer wieder fasziniert vom Treiben in Bleyenbergs Firma, wie z.B. Äpfel massenweise in die Güterwagen der Eisenbahn regelrecht hineingeschaufelt wurden. Dabei geschah eines Tages der Unfall. Kurt stand auf einem Güterwagen, in der Türöffnung, seinen Kopf an den Türrahmen gelehnt und ganz vertieft in die Betrachtung der Verladeaktivitäten. Zwischendurch wurden immer wieder Waggons an- oder abgekoppelt, jedesmal mit einem Ruck, der den ganzen Zug durchfuhr. Doch auf einmal, ohne dass Kurt es rechtzeitig wahrnahm, löste sich durch einen solchen Ruck plötzlich die schwere Schiebetür neben ihm aus ihrer Arretierung und rollte schnell und immer schneller auf ihn zu. Er konnte nicht mehr reagieren. Die Tür donnerte auf seinen Kopf zu und preßte ihn mit all ihrer Wucht gegen den Türrahmen, wo er eingequetscht steckenblieb, bis die Tür zurückrollte und ihn wieder freigab. Kurt fiel vom Waggon herunter und blieb zum Entsetzen der anderen dort spielenden Kinder regungslos und mit entstelltem Gesichtsausdruck und bizarr verdrehten und verschobenen, in alle Richtungen herausstehenden Ohren am Boden liegen.

Heinrich Müller war nun Witwer, und die älteren Kinder mußten mehr Verantwortung in der Familie übernehmen. Heinrich soll zwar später auch eine Geliebte gehabt haben, die er heiraten wollte, doch konnte er sich mit dieser Absicht gegen den Protest seiner Kinder nicht durchsetzen.

Die Leitung des großen Haushalts oblag nunmehr großenteils seiner ältesten Tochter

Anna

, mit der ihn ein besonders enges Verhältnis verband. Als Anna schließlich, mit bereits fast 30 Jahren, schließlich selbst heiraten wollte, einen Holländer, den sie in Elberfeld als Gemüselieferanten kennengelernt hatte, tat Heinrich Müller sich seinerseits schwer, diese Nachricht ohne weiteres zu akzeptieren. Jedenfalls reiste er heimlich, ohne irgendjemandem von seinem Plan zu verraten, nach Holland und recherchierte dort die Lebensumstände, v.a. aber die finanziellen Verhältnisse des Bewerbers. Er soll sehr befriedigt zurückgekommen sein, denn er hatte herausbekommen, dass Arie Bleyenberg (später Blijenberg) einen tadellosen Ruf hatte und mit seinem Obst- und Gemüse -Großhandel, der ganze Schiffsladungen voll insbesondere nach England lieferte, ein reicher Mann war.

Später, als alles überstanden war, schilderte Anna, seine Tante, dieses Erlebnis gern, besonders die Szene, die sich nun anschloß: wie sie nämlich eine wilde Horde Nachbarkinder auf ihr Haus zugerannt kommen sah, und alle schrien sie immer wieder aufgeregt: "De Mof is dood. De Mof is dood!" Anna bekam einen abgrundtiefen Schreck, doch der Mof* wurde zum Schluß ja, wie wir wissen, glücklicherweise wieder lebendig, allerdings soll sein verunstalteter Kopf noch lange einem Kubus geglichen haben.

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Anna Bleyenberg, geb. Müller (1922)
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Die folgende Anekdote wurde mündlich von Generation zu Generation überliefert. Warum? Ein attraktives Quäntchen Schadenfreude, ein Schuss authentischer Atmosphäre zwischen den Zeilen und eine kleine Pointe machen wohl die Mischung.:
 
Einem Freund, der bei ihm zu Gast war, wollte Heinrich Müller einen edlen Tropfen Branntwein zu kosten geben, auf den er besonders stolz war. Er zeigte auf eine Flasche im Küchenregal, pries die edle, goldgelbe Farbe ihres Inhalts, "wie Aulig" [=Öl], nahm sie herunter, goss  langsam und genussvoll jedem ein Glas davon ein und kommentierte dabei immer wieder begeistert die ebenso edle Konsistenz der Flüssigkeit: "Dat löppt wie Aulig! Dat löppt wie Aulig!" [Das läuft wie Öl!]. Als eingeschenkt und ein erhebendes "Wohl bekomm's!" gesprochen war, hoben die beiden Freunde die Gläser erwartungsvoll zum Mund und leerten sie nach alter Sitte ohne abzusetzen in einem Zug. Da erstarren sie, eine endlose Sekunde lang. Dann bricht es aus Heinrich Müller heraus: "Verdammich! Dat is ok Aulig!" [Verdammt! Das ist auch Öl!]
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Heinrich Müller:
 
Seine Liebe zu seinem Bart, dessen Enden er täglich vor dem Spiegel zärtlich, wenn  auch bekümmert streichelte und der doch nie bereit war, so lang zu werden, wie Heinrich es sich von  ihm wünschte, auch auf diese unglückliche Liebe traf es manchmal zu, dass, wer den Schaden hat, für den Spott nicht zu sorgen braucht (in diesem Fall freilich nur den liebevollen Spott der eigenen Kinder).
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Margret Müller
(1928)

Ob es gerade deshalb oder ob es trotzdem geschah: als die Hochzeit in Elberfeld stattfand, stach Annas Brüder, besonders Otto, das Enfant terrible, der Hafer. In einem später viel kolportierten Komplott nahmen sie den sprichwörtlichen holländischen Geiz aufs Korn und trieben mit Arie ihren Schabernack. Vielleicht hatte Arie auch von sich aus vorgefühlt, wie hoch denn Annas Mitgift sein werde. Tatsächlich betrug diese Mitgift, wie bei jeder der 4 Schwestern, 7000 Taler (dies entspräche, wenn man den jeweiligen Goldpreis zur Wertumrechnung benutzt, ca. 100.000 € !).

Jedenfalls erhielt Arie dann von

Otto Müller

den Tipp, in Deutschland sei man ja diskret in Geldsachen, und daher stamme die Sitte, dass beim Hochzeitsessen unter dem Teller des Bräutigams ein Zettel mit Angaben über den Umfang der bräutlichen Aussteuer angeheftet werde. Als es so weit war, griff Arie Bleyenberg tatsächlich, noch bevor er sich an den Tisch setzte, nach dem Teller und drehte ihn erwartungsvoll um. Aber mitten im Gesicht stand ihm die Enttäuschung, als er nichts darunter fand. Die eingeweihten Geschwister hatten bereits darauf gelauert, was er tun werde, und brachen in schallendes Gelächter aus.*
 
Anna und Arie sollen ihr Leben lang eine sehr glückliche Ehe geführt haben, auch wenn Anna die Trennung zunächst genauso schwer gefallen war wie ihrem Vater und sie kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes einmal sogar fluchtartig mit dem Baby nach Elberfeld zurückkehrte, so stark war ihr Heimweh gewesen.

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FamgeschKlein

* "

Mof

" = Spottbezeichnung für einen Deutschen in Holland

sKnappFrieda19080921PostkarteAnBleyenberg Kopie 2

Unten: Postkarte, die Heinrich Müllers Schwiegertochter

Frieda, geb. Knapp

, etwa 10 Jahre später, am

21, September 1908

an die Familie von Anna Müller schickte, die mit ihrem Mann Arie Bleyenberg (später: Blijenberg) in Culembourg in Holland lebte.

Liebe Anna, Arie u, Kinder!
 
Herzlichen Dank für das schöne Bild. Es thut mir sehr leid, daß ich nicht hier war, als Du in Elberfeld warst. Die Kinder und ich haben uns sehr gut erholt in Bonn. Es ist zu schön dort. Es that mir leid, als die Ferien um waren. Emil war auch sehr oft in Bonn. Wie ich von Pauline hörte, habt Ihr Euch ja so gut amüsiert in Magdeburg u. Berlin. Schicken Euch hiermit ein Bild,  welches in Bonn gemacht worden ist. Anna hat es sicher bei Elly schon gesehen. Was machen Eure Kinder? Amalie sieht sehr vernünftig aus auf dem Bild. Nochmals vielen Dank u. herzliche Grüße an Euch alle, Eure Frieda, Emil, Fritzi u. Kurt

Herrn Arie Bleyenberg u. Frau

Culembourg


Holland
Kattenstraat

Kurt Müller (1916)

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* Diese Variante der Geschichte von der Mitgift ist diejenige, die in der Familie häufig erzählt wurde; im Gespräch von 1982 gibt Kurt Müller sen. eine verkürzte Variante wieder.

Heinrich Müller und seine Familie (5)