Emil Müller

geboren am 10. September 1870  in Elberfeld
gestorben am 18. Februar 1932  in Elberfeld
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       Emil Müller
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Unter welchen Lebensumständen Emil Müller aufwuchs, davon vermittelt die

Chronik der Familie Müller

eine, wenn auch lückenhafte, Vorstellung. Auch die folgende Episode ist dort geschildert, die für Emil Müller eine weichenstellende biografische Zäsur bedeutete. Als Emil etwa 16 Jahre alt war, übernahm er bereits wichtige Aufgaben in der großen Baufirma seines Vaters

Heinrich Müller

(vielleicht als Lehrling, vielleicht auch neben der Schule).
 
Da befand er sich eines Tages auf dem Weg von der Bank, wo er die gesamten Lohngelder der Firma erhalten hatte, zur Ziegelei, wo die Gelder an die Beschäftigten ausgezahlt werden sollten. Unterwegs traf er zufällig auf Heinrich Müllers Kutsche, mit dem Kutscher und Ella. Er sah schon von weitem, wie der Kutscher mit der Peitsche heftig auf das Tier einschlug, das sich offenbar weigerte, den Wagen weiterzuziehen; alarmiert stürmte er herbei, um den Mann von seinem Tun abzuhalten, mußte aber ohnmächtig miterleben, wie der völlig betrunkene Kutscher keinem Wort, keinem Appell mehr zugänglich war und mit unverminderter Heftigkeit auf Ella einschlug.
 
Von Emil hieß es, dieser im allgemeinen beherrschte und ruhige Mann habe von der mütterlichen Familie, den

Simons

, nicht nur die Statur, also enorme Körpergröße und - kraft, sondern auch die Neigung zum Jähzorn geerbt, der besonders dann plötzlich entflammte, wenn er Ungerechtigkeit gegenüber Schwachen spürte (in der “Chronik der Familie Simon” werden schöne Beispiele für einen solchen “gerechten Zorn” des Caspar Henrich Simon geschildert, des Großvaters von Emil Müller).

HausFamilieSimonKlein.jpg

Wohnhaus der Familie Simon in Williamsport, Pennsylvania, USA

!!!ZiegeleiPlan2.jpg
Lage der  Ziegelei (siehe roter Pfeil bzw. Fenster links oben) in der Nähe der Uellendahler Straße im Norden Elberfelds;
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Familiengeschichte Müller - Humphreys

Selten allerdings dürften diese beiden Familienmerkmale, also Jähzorn in Kombination mit Kraft und Körpergröße, so weitreichende Folgen gehabt haben wie dieses Mal. Emils Ärger und Empörung über das Verhalten des Kutschers steigerten sich jetzt in hellichte, ungebremste Wut, er entriß dem Kutscher die Peitsche, drehte sie um und prügelte, außer sich vor Zorn, mit dem hölzernen Peitschengriff immer wieder auf den Kutscher ein. Dabei traf er ihn offenbar schließlich so unglücklich, daß der Kutscher wie ein gefällter Baum zu Boden ging und völlig regungslos liegenblieb. Alle Wiederbelebungsversuche blieben ohne Resultat. Emil hielt den Kutscher für tot; von panischer Angst gepackt, beherrschte ihn nur noch ein Gedanke: Flucht! Flucht dorthin, wo er sich erst einmal sicher vor Polizei und Justiz wähnte, sehr weit weg. Und er erfaßte, daß er die Mittel dazu bei sich trug, nämlich die enorme Geldsumme, die ihm anvertraut worden war. Aus dem Stand nahm der Sechzehnjährige, ohne noch einmal nach Hause zu gehen oder auch nur irgendeine Art Kontakt mit der Familie aufzunehmen, den Weg zm Bahnhof und brach auf nach Bremen, um sich dort – im Zwischendeck, wie es hieß - nach Amerika einzuschiffen.

Am Ende waren es sieben Jahre, die er in Amerika verbrachte, eine Zeit, die sein späteres Leben bereicherte und prägte. Allerdings war es dieser Einschnitt wohl auch, der ihn hinderte, die Realschule abzuschließen (mit dem “Einjährigen”, wie die Mittlere Reife damals genannt wurde), und ihn deshalb zum vollen dreijährigen Militärdienst zwang, den er, durch und durch ziviler und in seiner politischen Einstellung sozialdemokratischer Rheinländer, gleich nach seiner Rückkehr aus der Freiheit und Ungebundenheit von 7 Jahren im republikanischen Amerika zähneknirschend antreten mußte. Er leistete ihn als sogenannter Gardepionier vorwiegend in Berlin ab, wo er, in eine prachtvolle Uniform gekleidet, am Eingang zum Hohenzollernschloss Wache stehen mußte. Auch viel später, wenn er von dieser Zeit erzählte, konnte er immer noch das Gefühl von Erniedrigung und Wut lebendig werden lassen, das ihn gepackt hatte, wenn er, ein gestandener Mann unter lauter Jungrekruten, vor den kaiserlichen Kindermädchen strammstehen und salutieren mußte, die die in Windeln gewickelten kleinen Babyprinzen auf ihren Armen die große Schlosstreppe heruntertrugen.

Wie es ihm schließlich gelang, seinen Plan umzusetzen, ist im einzelnen nicht bekannt, aber: es gelang. Emil Müller erreichte Amerika, er kam an in Williamsport, Pennsylvania, bei seinem wenige Jahre vorher ausgewanderten Onkel Ferdinand Simon, einem Bruder seiner Mutter, und dessen Familie. Bald nach seiner Ankunft erfuhr er, daß der Kutscher keineswegs tot, sondern nur tief bewußtlos gewesen war, doch jetzt blieb er erst einmal in Amerika, mit dem Einverständnis der Eltern. Onkel und Tante war er willkommen, sie hatten ebenfalls ein Baugeschäft aufgemacht, in dem er mitarbeitete und eine Ausbildung erhielt.

Emil Müller als "Gardepionier" in Berlin

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