Wilhelm Heitmanns Lehrzeit bei Feldkord

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geboren am 16. Januar 1845  in Hollen
gestorben am 19. Juli 1917  in Isselhorst

Wilhelm Heitmann

 
©   Kurt Müller 2022
 

Hauptberuflich war Wilhelm Heitmann

Nagelschmied

. Er betrieb als selbständiger Handwerker in seiner "

Brakenschmiede

" eine hochspezialisierte Nagelproduktion und lieferte - als Teil der "Rheinisch- westfälischen Kleineisenindustrie" - seine Spezialprodukte bis ins Ruhrgebiet. Während seiner Zeit als Nagelschmied transformierte sich dieses uralte Handwerk, das seit Mitte des 19.Jahrhunderts durch die industrielle Nagelproduktion abgelöst wurde, zum heutigen Nachfolgeberuf des Kunstschmiedes.

Aus "Lebendiges Isselhorst" 9/1977

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Der Nagelschmied

Oben:­Wilhelm Heitmanns Amboss

(restauriert von Ulrich Poggenklaß)

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Oben: Rückseite des Brakenhauses im Jahr 1953, mit dem Eingang zur Schmiede.

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Das Brakenhaus im September 1953

Informationen über Wilhelm Heitmanns Nagelschmiedarbeit und noch etliches Wissenswerte mehr findet sich in dem unten  abgebildeten Artikel aus der Zeitschrift des Heimatvereins Isselhorst "Lebendiges Isselhorst" (Vorgängerin des "Isselhorster", in ihrer Ausgabe vom September 1977, ohne Autorenangabe, wahrscheinlich verfasst von

Renate Plöger

), der auf einem Gespräch mit

Anna Ottensmann

(s. Bild rechts) beruht, einem Pflegekind Wilhelm Heitmanns und einer Halbnichte seiner Frau.

Rechts: derselbe Winkel des Hauses im Jahr 2006

Obwohl es erst ein halbes Jahrhundert her ist, daß das letzte Schmiedefeuer in der Isselhorster Nagelschmiede für immer erlosch, hatte ich arge Schwierigkeiten, noch Kenntnisse bzw. Einzelheiten über die Nagelschmiede Feldkord zusammenzutragen. Die frühere Hofstelle Isselhorst Nr. 130, jetzt Tuxhornweg, und der kleine Schmiederaum existieren noch, aber die Einrichtungen der alten Schmiede sind nicht mehr vorhanden. Verkauft, verschrottet, verschenkt, kurzum einfach weg. Wie schade, daß man damals noch nicht ahnen konnte, wie schnell diese Handwerkskunst dem technischen Fortschritt weichen würde und damit der Nachwelt als Wissen verloren gehen könnte.
 
Gegründet wurde die Nagelschmiede vom Großvater des jetzt 87-jährigen Wilhelm Feldkord, der heute noch, gepflegt von seiner Tochter Ursula, das Anwesen bewohnt: Ein genaues Jahr der Schmiedegründung konnte ich nicht mehr in Erfahrung bringen. Wilhelm-Feldkord-Großvater sozusagen gründete also diese Schmiede als Nebenerwerb zu seiner kleinen Landwirtschaft. Hausbau in früheren Zeiten, das bedeutete in der Regel Fachwerkbau. Aber für die Befestigung der Dachlatten, wie auch für sonstige Handwerksarbeiten, benötigte man Nägel. Abnehmer waren u.a. auch die örtlichen Kramläden und die sogenannten Landtischlereien, aber auch andere Schmieden, z. B. Buse in Isselhorst, wo bis in unsere Zeit die Hufe der Pferde beschlagen wurden. Geliefert wurden die in reiner Handarbeit gefertigten Nägel bis in den Raum Rietberg. Schrauben waren damals noch nicht verbreitet. Das Rohmaterial für die Nägel, dicke Eisendrähte, auf Rollen gewickelt, ca. 1 Meter hoch und ca. 35 kg schwer, wurde von der Firma Sager aus Gütersloh bei Feldkords angeliefert.

Gearbeitet wurde in der Regel nicht auf Vorrat, sondern nur auf Bestellung. Wenn einmal das Feuer in der Esse (Bezeichnung für die Feuerstelle einer Schmiede) brannte, wurde an zwei Ambossen geschmiedet, denn Wilhelm Feldkord beschäftigte noch zeitweise eine Hilfskraft. Das Rollen-Rohmaterial wurde in längeren Stücken ins Feuer gehalten, bis es glühend war und bearbeitet werden konnta. Nachdem das Eisen dann rotglühend war, wurde es auf den Amboß gelegt und auf die gewünschte Länge gekürzt. Durch gezielte Schläge mit dem Schmiedehammer wurde eine Spitze herausgearbeitet. Dann mußte der Nagel noch einen Kopf erhalten, d.h. er wurde auf dem Amboß gekröpft.
 
Das Rohstück wurde in eine Art Schraubstock eingespannt, und mit einem Schlag obendrauf wurde der Nagelkopf gebildet. Alles in allem war das eine sehr mühselige und kraftanstrengede Arbeit. Einige wenige dieser "Handarbeits- Nägel" sind als Relikte aus dieser Zeit bei Feldkords noch vorhanden. In der Nagelschmiede Feldkord wurde das Schmiedehandwerk in dieser Weise wohl noch bis Anfang des 2. Weltkrieges geführt. Der Schmiedegründer war nebenher noch eine Zeitlang Kirchmeister und Standesbeamter, ein Ehrenamt, zu dem man vom Gemeindevorstand berufen wurde. Der Enkel vom Schmiedegründer Wilhelm Feldkord, geb. im Jahre 1909, trägt ebenfalls den Namen Wilhelm und bewohnt noch heute die ehemalige Hofstelle. Die Nebenerwerbs- landwirtschaft wurde hier, wie an vielen anderen Stellen, vor Jahren aufgegeben. Feldkord, der Enkel, erlernte aber in der Tradition der Familie das Schlosserhandwerk, nicht jedoch die &dbquo;Nagelschmiedekunst", weil schon damals der Beruf zu wenig Aussichten bot. Die handwerklich gefertigen Nägel waren schon zur damaligen Zeit gegenüber den industriell produzierten nicht mehr konkurrenzfähig. Er ging in Friedrichsdorf in eine Schlosserlehre und arbeitete später lange Jahre bei Elmendorf und bei FLACO als Kraftfahrer.

Als die Nägel noch geschmiedet wurden - eine der Nagelschmieden von Isselhorst


von Heinz Stempel ("Isselhorster" Heft Nr 21, 1996)

Aufgrund der seit 1810 in Preußen geltenden Gewerbefreiheit

gab es für die Gründung eines Handwerksbetriebes zwar keine formellen Zugangsbeschränkungen (auch der Meistertitel als solcher wurde erst 1897 wieder eingeführt). Trotzdem absolvierte Wilhelm Heitmann vor der Aufnahme seiner selbständigen Tätigkeit traditionsgemäß zunächst eine Lehre in einer anderen Isselhorster Nagelschmiede, nämlich der von Wilhelm Feldkord, wie Anna Ottensmann berichtete. Feldkord wurde 1834 in Isselhorst, Haus Nr.

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27 (angrenzend an die Niehorster und die Haller Straße) geboren, wo er auch bei seiner Heirat 1859 noch lebte. 1860 aber, bei der Geburt seines ersten Kindes, war er bereits umgezogen in das - vermutlich neuerbaute - Haus Nr. 130, wo er - s.u. - seine Schmiede hatte, und zwar, wie anzunehmen ist, seit dem Einzug kurz nach der Heirat. Um dieselbe Zeit herum verließ Wilhelm Heitmann, nun ca. 14 Jahre alt, die Schule und begann vermutlich seine Lehre bei Feldkord als einer von dessen allerersten Lehrlingen. Möglicherweise blieb er auch nach der Lehre bei Feldkord als dessen Geselle, bevor er 1870 nach seiner Heirat und dem Kauf des Brakenhauses dort seine eigene Nagelschmiede eröffnete.

Feldkord wurde 1874 nach Einführung der Zivilstandsregister auch Isselhorsts erster - ehrenamtlicher - Standesbeamter (siehe "Isselhorster" Heft 151, 2018) und war laut Kirchenbuch später Kirchmeister, also Vorsitzender des Presbyteriums der Kirchengemeinde. 1996 erschien über ihn und seine Schmiede im "Isselhorster" der unten folgende Artikel. Was darin über die Tätigkeit und das Gewerbe des Nagelschmiedes gesagt wird, dürfte zu großen Teilen auch für Wilhelm Heitmanns Tätigkeit gelten:

1837.Feldkord.Isselhorst27.266

Oben: Der Hof der Familie Feldkord, wo Wilhelm F. geboren wurde, (Isselhorst Nr. 27) auf einer Karte von 1837 zwischen der Niehorster Straße (unten) und der Landstraße nach Brockhagen (heute Haller Straße bzw. Hollerfeldweg). Die Schmiede befand sich jedoch im Haus Nr. 130 (heute Tuxhornweg 25).

Über die im Text des Artikels erwähnte

Drillmaschine

informiert eine

Extraseite.

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