Familiengeschichte   Müller - Humphreys

 

David Darmes  /  d'Arme(s)

Isaac Darmes  /  d'Arme(s)

 

Bedeutung der Diakone für eine Refugié-Gemeinde


Für eine Flüchtlingsgemeinde wie Otterberg hatte dieses Amt ein besonderes Gewicht: Die Wallonen bzw. später auch die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) hinzukommenden französischen Hugenotten waren materiell oft prekär gestellt, viele hatten Besitz in Frankreich zurücklassen müssen. Die Diakone waren daher Teil der überlebenswichtigen sozialen Infrastruktur der Gemeinde – vergleichbar mit den Diakonieeinrichtungen anderer Réfugiés-Gemeinden im Reich (etwa in Frankenthal, Hanau oder Berlin), wo die Diakone häufig eigene Fonds, teils auch Beziehungen zu ausländischen Unterstützungskomitees (z. B. aus England oder den Niederlanden) verwalteten.

Oben: Otterberg in einem Kupferstich aus dem Jahr 1645. Zu diesem Zeitpunkt war die Stadt bereits durch den Krieg auf 400 Einwohner, ein Viertel der Vorkriegszahl, geschrumpft. Die große spätromanische

Abteikirche

(siehe auch unten im 19.Jahrhundert), von 1168 bis

1254

erbaut,  gilt als

Musterbeispiel

für  die

Baukunst

des Zisterzienserordens. Sie wurde danach sowohl von Protestanten als auch Katholiken genutzt, zunächst als sogenannte Simultankirche. Später war das Kircheninnere Jahrhunderte lang   durch eine massive Steinmauer ("

Sch

iedmauer

") in einen evangelischen und einen katholischen Bereich getrennt, um Streit zu vermeiden.

Jahrhunderte lang durch

Bei der Erforschung der Geschichte der Familie Darm/e/s, beginnend mit

Lina Darm

(1888-1981), schöpfen wir überwiegend aus drei Sekundärquellen, nämlich den beiden wunderbaren Ortsfamilienbüchern von Heinz Lavall* (2004), aus dessen Werk die meisten unserer familiengeschichtlichen Informationen zur Familie Darm/e/s stammen, und Otto Treinen* (1989) sowie der oben schon zitierten Arbeit von Karl-Ludwig Rug* (1971), und zwar bis zum seinerzeitigen Spitzenahnen

Isaac Darme(s)

, den 4 Generationen von Lina trennen: Konrad, ihr Vater, Paul Abraham, ihr Großvater, Jean-Pierre, ihr Urgroßvater, und ein weiterer Jean-Pierre, ihr Ururgroßvater.
 
Dank den Informationen, die Christine Hühn, Offenbach, aus ihrer eigenen Familienforschung beitrug, konnten inzwischen Fortschritte bei der weiteren Aufklärung der Herkunft der Familie Darm  gemacht werden, die über den bisherigen Spitzenahnen hinausweisen. Die Informationsquellen, die dabei neu hinzukamen, sind u.a. die Kirchenbücher der Französisch-Reformierten sowie der Deutsch-Reformierten Gemeinden

Otterberg / Pfalz

.

Otterberg.Kupferstich1645.Exz_mod

Die Welt der Hugenotten von Saar und Pfalz im 17.Jahrhundert war zentriert um insbesondere zwei Orte: das 1604 neu gegründete Dorf  

Ludweiler

, den Heimatort der meisten unserer hugenottischen Vorfahren, und die Stadt

Otterberg

bei Kaiserslautern. Otterberg, wo vier Gemeinden nebeneinander existierten, eine Französisch-Reformierte, eine Deutsch-Reformierte, eine lutherische und eine katholische Gemeinde, war ein altes, schon seit 1579, also vor Ludweiler, bestehendes

Zentrum

protestantischer Einwanderung aus französisch sprachigen Gebieten, insbesondere aus Wallonien. Zwischen den Französisch- Reformierten Gemeinden von Ludweiler und Otterberg bestanden spätestens aus Zeiten des 30jährigen Krieges enge Beziehungen, die bis mindestens ins 18.Jahrhundert hinein fortbestanden.  Einige Flüchtlinge aus Ludweiler, so die Unternehmerfamilie Condé (Glashütte von Ludweiler, 1635 zerstört), blieben auch auf Dauer in Otterberg. U.a. wechselten auch  Pastoren hin und her.
 
In der Familie Darm/e/s waren es zwei Männer, Vater und Sohn, die die Verbindung zwischen den beiden Orten herstellten, der eine,

David

, indem er von Ludweiler nach Otterberg wanderte, und der andere, sein Sohn

Isaac

, indem er  zurück in die Heimat des Vaters nach Ludweiler zog.

2. Phase: Otterberg

AbteikircheOtterberg.mod

Davids Frau und Isaacs Mutter war Marie Cherdron, Nach- fahrin nicht von Wallonen, wie die Mehrheit der Ottersberger, sondern französischer Einwanderer des 17.Jahhunderts. Ihr Vater Pierre Cherdron, selbst noch in Sedan geboren, hatte sich jedoch in der Ottersberger Gemeinschaft einen hohen Status erworben, war längere Zeit Bürgermeister von Potzbach und wurde später Diakon (diacre) der französisch- reformierten Gemeinde (s.u.).

Links: Die von mehreren Konfessionen genutzte frühere Abteikirche von Otterberg

Die spezifische Funktion des Diakons:

Anders als im katholischen oder auch im späteren lutherischen Verständnis (wo der Diakon oft ein ordinierter, studierter Geistlicher war) war der

diacre

in der calvinistisch-reformierten Tradition ein

Laienamt

, das neben dem Ältestenamt stand:
 

•Armen- und Krankenfürsorge

: Das war die Kernaufgabe. Die Diakone verwalteten die Armenkasse (

bourse des pauvres

/ caisse des pauvres), sammelten Kollekten, verteilten Unterstützung an Bedürftige, Kranke, Witwen und Waisen der Gemeinde.
 

•Finanzverwaltung

: Sie führten Rechnungsbücher über Einnahmen (Kollekten, Stiftungen, Vermächtnisse) und Ausgaben der Gemeinde, oft mit jährlicher Rechnungslegung vor dem Consistoire.
 

•Praktische Nähe zur Gemeinde

: Da Diakone im Unterschied zum Pastor keine theologische Ausbildung benötigten, sondern aus der Mitte der Gemeinde (oft Kaufleute, Handwerker) gewählt wurden, hatten sie engen Kontakt zu den sozial schwächeren Mitgliedern.
 

•Zusammenarbeit mit den Ältesten

: Während die anciens eher für Kirchenzucht und geistliche Aufsicht zuständig waren, konzentrierten sich die Diakone auf die diakonisch-caritative, also praktisch-soziale Seite des Gemeindelebens.

Die Rolle des Diakons

(frz.

diacre

)
 
in der Französisch-Reformierten (wallonischen) Gemeinde von Otterberg zu Beginn des 18. Jahrhunderts war eingebettet in die allgemeine reformierte Kirchenverfassung, die für alle Hugenotten- und Wallonengemeinden im deutschen Refuge, also auch für Otterberg, galt.
 

Der kirchengeschichtliche Rahmen


Otterberg war seit 1579 eine wallonische Exulantensiedlung: Pfalzgraf Johann Casimir hatte reformierte Glaubensflüchtlinge aus den Spanischen Niederlanden hier angesiedelt, die die ehemalige Klosterkirche für ihre Gottesdienste nutzten. Durch ihren handwerklichen und wirtschaftlichen Fleiß wuchs die junge Siedlung rasch und erhielt bereits 1581 Stadtrechte. Diese Gemeinde folgte der presbyterial-synodalen Ordnung, die auf Calvins Genfer Kirchenordnung zurückgeht.
 

Die Struktur des Consistoire


Nach reformiertem Vorbild wurde jede Gemeinde –auch die wallonisch-hugenottischen Gemeinden im Reich –von einem auf Lebenszeit gewählten consistoire geleitet, das etwa einem heutigen Kirchenrat vergleichbar ist und für die religiös-kirchliche Selbstverwaltung, vor allem die Kranken- und Armenfürsorge sowie die Kirchenzucht zuständig war. Dieses Consistoire setzte sich

Die Hugenottenfamilie Darm/es

BildschirmPfeilweissinvert
menue_button_neu_40_30
Menu
 

Geschichte der Familie "Darm/es" und ihres Namens